Zwei Praktikantinnen, zwei Monate, vier Bereiche. Nach den ersten Wochen haben wir beiden ein Werkstudentinnen-Angebot gemacht. Was dazwischen passiert ist, hat weniger mit Talent zu tun als mit der Frage, welche Aufgaben man jemandem am ersten Tag gibt.
Ausgangslage: keine Erfahrung auf beiden Seiten
Sarah und Sophia waren unsere ersten Praktikantinnen überhaupt. Wir hatten keinen Onboarding-Prozess, keine Aufgabenliste, keine Routine. Das klingt nach einem Nachteil, war aber der Grund, warum wir nichts vorgeben konnten und stattdessen mit echten Aufgaben gearbeitet haben.
Die Alternative kennt jeder: Recherchen, die niemand liest. Präsentationen, die niemand hält. Ein Praktikum als Beschäftigungstherapie mit Zeugnis am Ende.
„Nicht das Vertrauen ist die Arbeit, sondern der Zuschnitt der Aufgaben."
Vier Bereiche in zwei Monaten
Marketing. Ad Creatives from scratch, dazu Templates, Content-Aufnahmen und die Website-Gestaltung. Die Creatives laufen besser als manches Set, an dem wir seit Monaten feilen.
Consulting. Hier wuchsen viele graue Haare. Das Thema war trocken und umfangreich, das muss man zugeben. Durchgezogen haben sie es trotzdem.
Produktentwicklung. Als Programmier-Newbies haben die beiden Dev-Meetings begleitet und Requirements in einer Testumgebung selbst erstellt. Nicht um Entwicklerinnen zu werden, sondern um zu verstehen, wie eine Idee vom Marketing über den Vertrieb bis in die Entwicklung wandert.
Vertrieb. Kundentermine begleitet, im Cold Outreach mitgearbeitet.
Der Punkt an dieser Rotation ist nicht die Abwechslung. Es ist der Kreislauf: Wer im Marketing eine Anzeige baut und drei Wochen später sieht, was daraus im Vertrieb und in der Entwicklung wird, versteht das Geschäftsmodell schneller als über jedes Organigramm.
Der Moment, an dem es gekippt ist
Der Auftrag war eine Wettbewerbsrecherche zur Website. Ein Einstieg, ein paar Ideen, mehr hatten wir nicht erwartet. Zurück kam kein Ideenzettel, sondern ein fertig gepitchtes Projekt, inklusive Umsetzung.
Das passiert nicht, weil jemand besonders motiviert ist. Es passiert, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Die Person weiß, dass ihr Feedback ankommt. Und sie muss nicht auf eine Freigabe warten, um anzufangen.
Warum Trial and Error bei uns kein Poster an der Wand ist
Bei uns gilt: Bitte macht Fehler. Nicht als Beruhigung, sondern als Arbeitsweise. Wer nichts riskiert, lernt nichts. Und in einem Unternehmen, das mit KI und automatisierten Prozessen arbeitet, gibt es für die meisten Aufgaben ohnehin keinen etablierten Weg, den man abarbeiten könnte.
Das hat eine Konsequenz, die Unternehmen oft unterschätzen: Wer Fehler erlaubt, muss die Aufgaben so zuschneiden, dass ein Fehler verkraftbar ist. Nicht das Vertrauen ist die Arbeit, sondern der Zuschnitt.
Was wir beim nächsten Mal anders machen
Ehrliche Antwort: wenig. Nicht weil alles perfekt lief, sondern weil sich die Frage bei uns anders stellt.
Wir sind ein Startup in einem Markt, der sich alle paar Monate verschiebt. Was heute ein sinnvolles Projekt ist, kann in einem halben Jahr erledigt oder überholt sein. Ein Praktikum, das wir jetzt in eine feste Struktur gießen, würden wir beim nächsten Durchlauf ohnehin wieder aufbrechen, schlicht weil andere Themen auf dem Tisch liegen.
Kein Praktikum wird bei uns aussehen wie das davor. Das ist keine fehlende Planung, sondern die Konsequenz daraus, dass wir selbst permanent nachjustieren, um am Markt aktuell zu bleiben.
Was bleibt, ist der Rahmen: echte Aufgaben, echtes Feedback, die Erlaubnis, Fehler zu machen. Was sich ändert, ist alles darin.
Was das für andere Unternehmen heißt
Drei Fragen, die vor dem nächsten Praktikum geklärt sein sollten:
- Gibt es eine Aufgabe, deren Ergebnis wirklich gebraucht wird? Wenn nein, ist der Platz noch nicht reif.
- Wer schaut sich das Ergebnis an und wann? Feedback nach acht Wochen ist kein Feedback.
- Was passiert, wenn die Person am Ende bleiben will? Wer darauf keine Antwort hat, bildet für andere aus.
Abschluss
Ein Praktikum entscheidet, wie jemand in die Arbeitswelt einsteigt. Wer acht Wochen Kaffee kocht und Tage zählt, lernt vor allem eins: dass der eigene Beitrag egal ist. Arbeit darf anstrengend sein, sie soll fordern. Nur eben nicht abstumpfen.
Sarah, Sophia: Danke für euer Engagement, eure Ideen und dafür, dass ihr unbequeme Fragen gestellt habt.




