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KI & Technologie
Was ein KI-Projekt teuer macht, steht selten im Angebot
SNIPE Solutions
12. Oktober 2026

Was ein KI-Projekt teuer macht, steht selten im Angebot

Wer ein KI-Projekt kalkuliert, schaut zuerst auf die Lizenz. Die neue Bitkom-Umfrage zeigt, dass das die falsche Stelle ist. Die großen Kosten entstehen davor und danach, und genau die fehlen in vielen Angeboten.

Dazu passt eine zweite Zahl aus derselben Umfrage: 63 Prozent der Unternehmen, die noch keine KI nutzen, nennen schwer kalkulierbare Kosten als Hürde. Bei denen, die KI bereits einsetzen, sind es immer noch 54 Prozent. Die Unsicherheit verschwindet also nicht mit dem ersten Projekt.

„Bitkom-Umfrage 2026: Für KI-Anwender sind Infrastruktur, Datenaufbereitung und Integration die großen Kostenpunkte, Lizenzen nur für 21 Prozent. Was das für Ihre Kalkulation bedeutet."

Was die Umfrage zeigt

Bitkom Research hat im Juli und August 2026 insgesamt 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch befragt. 57 Prozent von ihnen setzen inzwischen KI ein. Diese KI-Anwender sollten angeben, was bei ihnen ein großer Kostenpunkt ist.

Großer Kostenpunkt für …Anteil der KI-Anwender
Infrastruktur (Cloud, Rechenleistung)51 %
Aufbereitung von Daten50 %
Integration in bestehende Systeme41 %
Abos und Lizenzen für KI-Software21 %
Externe Beratung21 %
Schulung der Beschäftigten19 %
Token-Verbrauch8 %

Die Werte zeigen nicht, wie viel Budget in einen Posten fließt, sondern wie viele Unternehmen ihn als großen Kostenpunkt erleben. Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Infrastruktur und Daten werden mehr als doppelt so oft genannt wie Lizenzen. Der Token-Verbrauch fällt kaum ins Gewicht.

„Bei KI geht es nicht in erster Linie um das eingesetzte Modell. Daten aufbereiten, Systeme verbinden und Rechenkapazität bereitstellen erfordert den höchsten Aufwand.“ — Ralf Wintergerst, Präsident des Bitkom

Wo das Geld tatsächlich hinfließt

Daten. Angebote liegen im Dateisystem, Preise im ERP, die Kundenhistorie im CRM und der Rest in Postfächern und Excel-Listen. Bevor ein System verlässlich antworten kann, muss jemand klären, welche Quelle gilt, wie aktuell sie ist und was passiert, wenn zwei Systeme sich widersprechen. Mit KI hat das wenig zu tun. Es ist Handarbeit, und sie wird fast immer unterschätzt.

Anbindung. Ein Assistent, der die eigenen Systeme nicht sieht und nichts auslösen kann, ist eine bessere Suchmaske. Nützlich wird er erst, wenn er auf ERP, CRM oder Ablage zugreift und seine Ergebnisse dort ablegt, wo weitergearbeitet wird. Jede dieser Verbindungen braucht Rechte, eine Fehlerbehandlung und jemanden, der sie anpasst, wenn sich auf der anderen Seite etwas ändert.

Betrieb. Modelle werden abgelöst, Schnittstellen ändern sich, Prozesse auch. Was im ersten Jahr ein Projekt ist, wird ab dem zweiten zur laufenden Position. In vielen Angeboten steht dazu kein Wort.

Ein Beispiel: der Angebotsassistent

Ein Unternehmen will Angebote schneller erstellen. Ein Assistent soll aus Kundenanfrage, Preisliste und vergleichbaren alten Angeboten einen Entwurf bauen.

Im Angebot eines Tool-Anbieters stehen dafür typischerweise drei Positionen: Einrichtung, monatliche Lizenz, Schulung. Anfallen wird zusätzlich:

  • klären, welche Preisliste gilt, wenn ERP und Vertriebstabelle sich unterscheiden
  • die alten Angebote so aufbereiten, dass der Assistent sich auf sie stützen kann, statt auf einen Stapel eingescannter PDFs
  • die Anbindung ans ERP samt Rechtekonzept, damit nicht jeder alle Preise sieht
  • den Entwurf im richtigen System ablegen, sonst entsteht ein zweiter Datenstand
  • festlegen, wer einen Entwurf prüft und was passiert, wenn er falsch ist
  • die Pflege, wenn die Preisliste im nächsten Jahr anders aufgebaut wird

Mit dem Sprachmodell hat keine dieser Positionen zu tun. Trotzdem hängt an ihnen, ob der Assistent nach drei Monaten noch benutzt wird.

Wie wir an solche Projekte herangehen

Wir kalkulieren deshalb nicht vom Werkzeug aus, sondern vom Prozess. Bevor es um ein Modell geht, schauen wir uns die Kette an, in der das Ergebnis gebraucht wird: Woher kommen die Daten, wer arbeitet mit dem Ergebnis weiter, und an welcher Stelle gehen heute Zeit oder Geld verloren?

Daraus ergibt sich meist eine andere Reihenfolge als gedacht. Manchmal ist der erste sinnvolle Schritt gar kein KI-Projekt, sondern die Frage, welche Preisliste eigentlich gilt. Der Vorteil: Daten und Anbindung stehen von Anfang an in der Rechnung und tauchen nicht erst im dritten Monat auf.

Den Betrieb planen wir gleich mit. Eine Regel, die nur im Handbuch steht, wird irgendwann nicht mehr befolgt. Deshalb gehört etwa die Prüfung eines KI-Entwurfs als fester Schritt ins System und nicht in eine Arbeitsanweisung.

Wann ein Abo reicht

Nicht jeder Anwendungsfall braucht ein Projekt. Wenn die Aufgabe klar umrissen ist, keine eigenen Systeme angebunden werden, keine sensiblen Daten im Spiel sind und nur wenige Leute damit arbeiten, reicht ein Abo. Man sollte es dann nur ehrlich benennen: als Werkzeug, nicht als KI-Strategie.

Anders wird es, sobald ein Ergebnis nachvollziehbar sein muss, jemand für Fehler geradestehen soll oder daraus eine Kennzahl entstehen soll. Dann entscheidet weniger das Modell als das, was darum herum gebaut wird.

Fünf Fragen für das nächste Anbietergespräch

Mit diesen Fragen sehen Sie schnell, ob Sie ein Werkzeugangebot vor sich haben oder ein Umsetzungsangebot. Das gilt unabhängig davon, mit wem Sie sprechen, auch mit uns.

  1. Wer bereitet unsere Daten auf, und wie ist dieser Aufwand kalkuliert?
  2. An welche unserer Systeme wird angebunden, und wer pflegt diese Verbindungen?
  3. Was kostet der Betrieb im zweiten Jahr, wenn das Projekt abgeschlossen ist?
  4. Wer ist verantwortlich, wenn eine Schnittstelle ausfällt oder ein Ergebnis falsch ist?
  5. Woran messen wir nach sechs Monaten, ob sich das gerechnet hat?

Gibt es auf alle fünf eine konkrete Antwort, ist das Angebot belastbar. Kommt bei drei davon eine Gegenfrage, wissen Sie zumindest, welche Posten später noch auftauchen.

Lassen Sie uns reden.

Sie möchten wissen, wo in Ihrem Vorhaben die Kosten tatsächlich liegen? In unseren Beratertagen nehmen wir Daten, Systeme und Abläufe vor Ort auf, bevor über Werkzeuge entschieden wird. Die Beratertage lassen sich noch bis Ende 2026 über das BAFA fördern.

Quelle: Bitkom, Presseinformation vom 14.09.2026, „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“. Bitkom Research im Auftrag des Bitkom, telefonische Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland, KW 28 bis 33/2026, repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Angaben zu Kostenpunkten beziehen sich auf KI-Anwender, Mehrfachnennungen möglich. bitkom.org

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