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KI & Technologie
Wo Ihre Mitarbeiter heimlich KI nutzen, klemmt Ihr Prozess
SNIPE Solutions
28. September 2026

Wo Ihre Mitarbeiter heimlich KI nutzen, klemmt Ihr Prozess

Die meisten Unternehmen sehen Schatten-KI als Sicherheitsproblem. Das stimmt, reicht aber nicht. Wer privat zu einem KI-Werkzeug greift, statt auf die Freigabe zu warten, zeigt dabei ziemlich genau, wo der offizielle Ablauf nicht funktioniert.

Für diese Information bezahlen Unternehmen sonst Workshops und Prozessanalysen. Hier liefern die Beschäftigten sie freiwillig, und meistens wird sie gelöscht statt gelesen.

„Schatten-KI ist nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern ein Hinweis auf Engpässe im Prozess. Mit einem einfachen Raster wird daraus eine Prioritätenliste für die ersten KI-Projekte."

Was man findet, wenn man hinschaut

Wer im eigenen Haus nach Schatten-KI sucht, findet selten Regelbrecher. Meistens findet man Engpässe.

Jemand wartet seit sechs Wochen auf die Freigabe eines Werkzeugs, die Termine laufen aber weiter. Jemand bekommt eine Aufgabe, für die im offiziellen Werkzeugkasten nichts vorgesehen ist. Jemand arbeitet abends von zu Hause und nimmt, was auf dem privaten Rechner ohnehin läuft.

Böse Absicht steckt in keinem dieser Fälle. Das Muster ist immer gleich: Es gibt eine Aufgabe, es gibt ein Werkzeug, und dazwischen fehlt ein offizieller Weg. Das Problem liegt also selten bei der Person, die zum privaten Account greift.

Ein Signal, kein Vergehen

Niemand umgeht aus Spaß eine Freigabe. Man tut es, weil die Aufgabe drängt und der offizielle Weg zu langsam ist. Jeder dieser Fälle ist damit eine Aussage darüber, welcher Prozess klemmt, getroffen unter Zeitdruck von den Leuten, die den Ablauf jeden Tag machen.

Wer diese Aussagen sammelt und sortiert, bekommt eine Liste der eigenen Engpässe, geordnet nach Häufigkeit. Ohne Workshop, ohne Umfrage, ohne Berater.

Deshalb ist ein pauschales Verbot die teuerste Reaktion. Es beseitigt nicht den Anlass, sondern nur die Sichtbarkeit. Die Nutzung wandert dorthin, wo nichts protokolliert wird, und das Signal geht mit.

„Die Unternehmen sollten KI-Wildwuchs vermeiden und der Entwicklung einer Schatten-KI vorbeugen. Dazu müssen sie klare Regeln für den KI-Einsatz aufstellen und ihren Beschäftigten KI-Technologien zur Verfügung stellen.“ — Ralf Wintergerst, Präsident des Bitkom, Oktober 2025

Dem stimmen wir zu und würden noch einen Satz ergänzen: Der freigegebene Weg muss schneller sein als der private. Sonst setzt sich der private durch, egal was in der Richtlinie steht.

Das Auswertungsraster

Vier Spalten reichen, und jede Tabellenkalkulation kann das. Die Zeilen unten sind Beispiele, wie ein Eintrag aussehen kann.

Welche Aufgabe?Welches Werkzeug?Wie oft?Warum nicht offiziell?
Angebotstext formulierenprivates KI-Abomehrmals pro Wochenichts Vergleichbares freigegeben
Protokolle zusammenfassenBrowser-Erweiterungnach jedem TerminFreigabe beantragt, läuft seit Wochen
Übersetzungen prüfenOnline-Dienstmonatlichoffizielles Werkzeug liefert schlechtere Ergebnisse

Sammeln Sie das zwei Wochen lang, anonym und ohne Konsequenzen anzudrohen. Gibt es einen Betriebsrat, holen Sie ihn früh dazu. Dann steigt auch die Bereitschaft, ehrlich zu antworten.

Danach lesen Sie die Tabelle von oben nach unten. Die häufigste Zeile ist Ihr erster Kandidat für eine Automatisierung. Die letzte Spalte zeigt, was dort eigentlich fehlt: ein Werkzeug, ein schnellerer Freigabeprozess oder eine bessere Lösung als die vorhandene. Das sind drei verschiedene Maßnahmen. Ohne diese Spalte hätten Sie alle drei gleich behandelt.

Wo das Signal nicht reicht

Bei aller Umdeutung bleibt ein Teil des Problems ein Sicherheitsproblem. Wenn in der Tabelle auftaucht, dass Kundendaten, Personaldaten oder Vertragsinhalte in private Werkzeuge kopiert werden, ist das keine Prozessfrage mehr. Dann braucht es sofort eine Lösung und nicht erst in zwei Wochen.

Dazu kommt eine Pflicht, die viele noch nicht auf dem Schirm haben: Seit Februar 2025 verlangt der EU AI Act von Unternehmen, die KI einsetzen, dass ihre Beschäftigten über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Wer nicht weiß, welche Werkzeuge im Haus genutzt werden, kann diese Pflicht schwer erfüllen.

Drei Fragen, bevor etwas freigegeben wird

Wird aus einem Signal ein Projekt, sollten drei Punkte geklärt sein. Für eine erste Antwort reicht meist eine Stunde. Ein Rechtsgutachten ersetzt das nicht.

  1. Welche Daten darf das System sehen? Nicht abstrakt, sondern als Liste: welche Ordner, welche Systeme, welche Kundendaten.
  2. Wer ist verantwortlich für das, was herauskommt? Jedes Ergebnis, das nach außen geht, braucht einen benannten Prüfschritt.
  3. Wo wird festgehalten, was passiert ist? Ohne Protokoll lässt sich im Zweifel nicht nachvollziehen, was das System auf welcher Grundlage getan hat.

Ein privates Abo beantwortet keine dieser Fragen. Und eine Regel, an die sich niemand hält, ist keine Regel. Wenn die Ablage nur freigegebene Quellen zulässt, braucht es keine Ermahnung mehr. Regeln gehören ins System, nicht ins Handbuch.

Wie verbreitet Schatten-KI ist

Bitkom Research hat im Sommer 2025 genau das abgefragt, bei 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.

Private KI-Nutzung durch Beschäftigte20242025
weit verbreitet4 %8 %
in Einzelfällen13 %17 %
vermutet, aber nicht sicher17 %17 %
sicher nicht37 %29 %

Gleichzeitig stellte 2025 nur ein Viertel der Unternehmen (26 Prozent) den eigenen Beschäftigten Zugang zu generativer KI zur Verfügung. Regeln für den KI-Einsatz hatten 23 Prozent.

Die Nutzung insgesamt ist seitdem weiter gestiegen: 2024 setzten 20 Prozent der Unternehmen KI ein, 2025 waren es 36 und 2026 sind es 57 Prozent. Die Regeln wachsen deutlich langsamer mit.

Bemerkenswert ist der Vergleich zweier Zahlen aus 2025. 29 Prozent waren sich sicher, dass bei ihnen niemand privat KI nutzt. Aber nur 26 Prozent boten überhaupt eine offizielle Alternative an. Diese Sicherheit ist also oft eher ein blinder Fleck.

Wie wir damit arbeiten

Wenn wir mit Unternehmen auf ihre Prozesse schauen, fragen wir deshalb nicht zuerst, welches Werkzeug eingeführt werden soll. Wir fragen, wo heute schon umgangen wird. Diese Stellen zeigen, wo der Bedarf am größten ist und wo sich eine offizielle Lösung am schnellsten rechnet.

Der Anspruch dabei ist einfach: Der offizielle Weg soll so gut funktionieren, dass niemand mehr einen Grund hat, ihn zu umgehen. Die Nutzung von KI ist in den meisten Betrieben längst Realität. Offen ist nur, ob sie in geordneten Bahnen läuft.

Lassen Sie uns reden.

Sie haben das Raster ausgefüllt und wollen wissen, was sich daraus machen lässt? In unseren Beratertagen nehmen wir die Engpässe vor Ort auf und leiten eine Reihenfolge ab, die sich rechnet. Die Beratertage lassen sich noch bis Ende 2026 über das BAFA fördern.

Quellen: Bitkom, Presseinformation vom 21.10.2025, „Beschäftigte nutzen vermehrt Schatten-KI“, Bitkom Research, telefonische Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 27 bis 32/2025, repräsentativ; Vorjahreswerte aus der Bitkom-Presseinformation vom 04.11.2024 (602 Unternehmen, KW 23 bis 30/2024). Bitkom, Presseinformation vom 14.09.2026, „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“, 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 28 bis 33/2026. Verordnung (EU) 2024/1689 (AI Act), Art. 4. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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